Hanf (Cannabis) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Hanfgewächse. Hanf ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt. In China wurde er schon vor mindestens 10.000 Jahren genutzt.

Während ältere Einteilungen von drei Hanfarten ausgingen, besteht die Gattung nach neueren Erkenntnissen nur aus einer einzigen Art (Cannabis sativa), die in drei Unterarten vorkommt:

* Nutzhanf (Cannabis sativa subsp. sativa) L. – (sativa „nützlich“)
* Indischer Hanf (Cannabis sativa subsp. indica) (Lam.) E. Small & Cronq.
* Ruderalhanf (Cannabis sativa var. spontanea) Vavilov – russischer Hanf oder Wilder Hanf

Je nach Verwendungszweck wird zwischen Rausch- bzw. Medizinalhanf mit dem Wirkstoff THC (?9-Tetrahydrocannabinol ) sowie Nutz- und Schmuckhanf (s.o. Cannabis sativa) unterschieden.

Hanf wird im Freiland je nach Sorte zwischen ca. 50 cm bis 8 m hoch, in europäischen Breitengraden maximal ca. 4 m, wobei 2 m als realistisch angesehen werden sollten.

Die Wurzeln des Hanf können bei entsprechenden Bodenverhältnissen (auf Braunerde, deren Humushorizont jedoch durch einen feinerdereichen Horizont unterlagert ist) bis zu 140 cm in den Boden eindringen – das ist wesentlich tiefer als bei vergleichbaren Nutzpflanzen. Aus diesem Grund wurde Hanf früher häufig auf ausgelaugten, verhärteten Böden gepflanzt, um den Boden zu lockern und gegebenenfalls für den späteren Anbau anspruchsvollerer Pflanzen wie etwa Getreide vorzubereiten. Hanf wurde ebenfalls in versteppten Gebieten verwendet, um den Boden nicht nur zu lockern, sondern zugleich zu beschatten. Erst wenn der Boden gebessert war, wurden andere Nutzpflanzen gesät.


Beschreibung

Hanf ist eine einjährige, diözische, bedecktsamige krautige Pflanze.

Die Blätter sind handförmig zusammengesetzt (palmat), und die Einzelblättchen haben einen gesägten Rand (serrat). Die Anzahl der Blättchen an einem Blatt schwankt: Die ersten Blattpaare haben gewöhnlich nur ein Blättchen, nachfolgende können bis zu 13 haben (gewöhnlich sieben bis neun, je nach Genetik und Umweltbedingungen). Zur oben am Spross stehenden Blüte hin nimmt die Blättchenzahl wieder bis auf ein Einzelblättchen ab. Die Blätter sind im unteren Bereich vorwiegend gegenständig, weiter oben wechselständig.

Die Blüten des Hanf sind imperfekt; männliche und weibliche Blüten wachsen in der Regel auf unterschiedlichen Pflanzen, allerdings sind auch monözische Pflanzenexemplare beschrieben. Die männlichen Blüten sind lose in Rispen, die weiblichen in Trauben angeordnet. Unter monözischen Exemplaren kommen die unterschiedlichen Blütentypen manchmal in separaten Blütenständen, manchmal in einem Blütenstand vor.

Cannabinoide, Terpenoide und andere flüchtige Substanzen werden von Trichomen, die gehäuft auf den Kelchblättern und Tragblättern weiblicher Pflanzen auftreten, abgegeben.

Alle bekannten Formen des Hanf sind windbestäubt. Die "Samen" des Hanf sind Achäne.

In der Natur ist Hanf diploid (2n=20); polyploide Pflanzen sind künstlich angezogen worden.

Die Samen der Hanfpflanze dienen seit mindestens 2000 Jahren als Nahrungsmittel.

Geschichte

Hanf (Cannabis sativa L.) wurde in China schon vor mindestens 10.000 Jahren genutzt. „Ma“, wie die Chinesen den Hanf nannten, lieferte ihnen nicht nur wohlschmeckende und nahrhafte Samen, auch die Stängel mit ihren besonders langen und nahezu unverwüstlichen Fasern wusste man schon früh zu schätzen. Bereits im Shen nung pen Ts'ao king, einem vermutlich ungefähr zu Beginn unserer Zeitrechnung verfassten chinesischen medizinischen Text, beschreibt der Autor, wie Hanf als Heilmittel gegen Malaria, Rheuma und viele andere Unpässlichkeiten eingesetzt werden kann.

Die so vielseitig einsetzbare, schnell wachsende Pflanze mit ihren charakteristisch handförmigen Blättern konnte nur göttlichen Ursprungs sein. So verwundert es denn auch nicht, dass Hanf bei hinduistischen Zeremonien als Schutz gegen das Böse Verwendung fand. Von Buddha heißt es, er habe sich auf seinem Weg zur Erleuchtung nur von Hanfsamen ernährt (die Samen selbst haben keine berauschende Wirkung).

Über Indien und die antiken Hochkulturen im heutigen Irak trat der Hanf seinen Siegeszug um die Welt an. In Europa sind die ältesten Funde ca. 5.500 Jahre alt und stammen aus dem Raum Eisenberg (Deutschland). Aus der Gegend des heutigen Litauen stammen Funde von Hanfsamen ca. 2500 v. Chr. und eines Hanffadens ca. 2300 v. Chr. Die alten Griechen und ihre ägyptischen Nachbarn kleideten sich oft mit Hanf – Kleidung aus Hanfgewebe wird von Herodot (450 v. Chr.) erwähnt. Hanf und Flachs waren lange Zeit die wichtigsten Faserpflanzen Europas. Aber auch die Wirkung von Cannabis-Gebäck, welches „Ausgelassenheit und Vergnügen hervorruft“ (Galen, 200 n. Chr.) war bei ihnen bekannt. Plinius der Ältere schreibt, dass Hanf Schmerzen lindere, und Pedanios Dioscurides berichtet von der Wirksamkeit des Saftes der Hanfsamen gegen Ohrenschmerzen. Vom Mittelalter bis in die Neuzeit wurden aus Hanf Mittel zur Linderung von Wehenkrämpfen und nachgeburtlichen Schmerzsymptomen gewonnen.

Bei den Skythen im heutigen südlichen Russland ist seit 700 v. Chr. der Anbau von Ruderalhanf als Nutzpflanze sowie die Herstellung und der Export von Seilen bekannt. In einfachen Zelten wurde Hanf von den Skythen rituell verräuchert und die dabei entstehenden Dämpfe inhaliert.

Über die Jahrhunderte hinweg geriet die vielseitige Pflanze nie in Vergessenheit. So fand man die im Jahre 565 n. Chr. bestattete Merowinger-Königin Adelheid in ein Hanfkleid gewandet, das sie in die Ewigkeit begleiten sollte. Kaiser Karl der Große erließ um 800 n. Chr. mit seiner „Capitulare“ das erste Hanf-Gesetz. Es verpflichtete seine Untertanen zum Anbau dieses Rohstoffes, welcher in Friedens- und Kriegszeiten bedeutsam war.

Viele mittelalterliche Waffen wie etwa der Langbogen, dessen Sehnen aus Hanf bestanden, wären ohne die robuste und widerstandsfähige Hanffaser, die enorme Zugkräfte aushält, nicht anzufertigen gewesen.

Über Spanien fand im 13. Jahrhundert eine weitere Anwendung der Hanffaser ihren Weg nach Europa – die Papierherstellung. Da die Papierherstellung aus Holz damals noch nicht beherrscht wurde, war Hanf neben Lumpen (die selbst oft aus Hanf bestanden) der wichtigste Rohstoff für die Papierproduktion. So entstand in Nürnberg 1290 eine erste Papiermühle auf deutschem Boden. Gutenberg druckte 1455 seine berühmte Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier und auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 können wir nur deshalb heute noch im Original bewundern, weil sie auf fast unverwüstlichem Hanfpapier verfasst wurde (und inzwischen unter Schutzgas konserviert wird). Der erste amerikanische Präsident George Washington baute selbst im großen Stil Hanf an. Viele US-amerikanische Orts- und Countynamen wie Hempstead (hemp „Hanf“) zeigen noch heute an, wo Nutzhanf in großem Stil angebaut wurde.

Im Elbing-Preußischen Wörterbuch von etwa 1350 ist Hanf als knapios im altpreußischen Dialekt von Pomesanien dokumentiert, in Südwestdeutschland wurde Hanf oftmals als har (Haar) bezeichnet. Bis ins 19. Jahrhundert baute man Hanf an den Berghängen entlang des Rheins an, wovon möglicherweise u. a. der Ortsname Hennef (Sieg) zeugt.

Hanfseile und Segeltuch aus Hanf waren in der Schifffahrt wichtig, da die Faser sehr widerstandsfähig gegenüber Salzwasser ist und weniger Wasser aufnimmt als beispielsweise Baumwolle – Baumwollsegel würden bei Regen derartig schwer, dass die Masten brechen könnten. Auch Flachsleinen war ein schlechter Ersatz, da es bei Kontakt mit Wasser anders als Leinwand aus Hanf binnen weniger Monate verrottet. Venedig erreichte seine Vormachtstellung als bedeutendes Handelszentrum im Mittelalter u. a. durch die hohe Qualität der Seilerei. In Südwestdeutschland ging der Hanfanbau mit dem Aufkommen des für die Bauern rentableren Tabakanbaus sowie mit der Einfuhr von Sisalfasern zurück und kam bis zum Ersten Weltkrieg bis auf wenige Ausnahmen praktisch zum Erliegen. In der Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängten Kunstfasern besonders des Herstellers Du Pont den Hanf auch aus der Bekleidungsherstellung, unterstützt von der Anti-Cannabis Kampagne von Harry J. Anslinger. Eine Ausnahme bildet hier die „Hemp for Victory“-Kampagne des US Militärs, das dringend den Rohstoff Hanf für die Rüstung brauchte.

Gleichwohl überall in Mitteleuropa seit Jahrhunderten Hanf angebaut wurde und auch Deutschland einst ein bedeutender Hanfproduzent war, wurde Hanf nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg illegalisiert. 1964 folgte das endgültige Anbauverbot.

Gegenwart

Spricht man heute von Hanf als Rohstoff bzw. als natürliche Ressource, ist damit in der Regel „Nutzhanf“ gemeint. Der landwirtschaftliche Anbau von Hanf hat seit seiner „Wiedergeburt“ Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts kontinuierlich zugenommen. Trotzdem liegt die Produktion in Europa weit hinter der Nachfrage zurück.

Dank seiner überlegenen Eigenschaften konnte Hanf in vielen Bereichen der Wirtschaft wieder Fuß fassen. Er eignet sich zum Hausbau ebenso wie als Basis für Farben, Lacke, Waschmittel und vieles mehr. Die Hanffaser ist der Baumwollfaser in vielerlei Hinsicht überlegen und auch für die Herstellung bestimmter Papiere geeignet.

Hanferzeugnisse zeigen eine sehr gute Widerstandsfähigkeit gegen Verschleiß, so dass die Fasern oft recycelt werden können und auch frühe, geschichtliche Druckerzeugnisse eine gute Haltbarkeit aufweisen. Die Gutenbergbibel ist z. B. noch heute gut lesbar.

In der Pflanzenzüchtung wird Hanf als Parzellenisolation von Zuchtgärten genutzt, in denen mit Windbestäubern wie Beta-Rüben gearbeitet wird.

Auch wenn schon heute ein Sortiment unterschiedlichster Artikel aus Hanf oder unter Zuhilfenahme von Hanf hergestellt und angeboten wird, sind doch längst nicht alle weiteren möglichen Anwendungen auch in die Praxis übertragen worden.

Züchtung

Hanf ist eine zweihäusige (diözische) Pflanze, d.h. die beiden Geschlechter kommen getrennt vor. Das bringt Probleme mit der Fasererzeugung mit sich, weil die männlichen Pflanzen früher erntereif werden als die weiblichen. An sich sterben die männlichen Exemplare weit früher als die weiblichen ab, was in einem ersten Arbeitsgang die Ernte der männlichen Pflanzen erforderte. Auch für eine maschinelle Ernte hätte es erhebliche Schwierigkeiten gegeben. Deshalb züchtete man einhäusigen (monözischen) Hanf. Der Vorteil liegt vor allem in der gleichmäßigen Abreifung aller Pflanzen eines Bestandes. Allerdings sind einhäusige Sorten den zweihäusigen ertragsmäßig klar unterlegen.

Die männliche Pflanze des Hanfs heißt Femel. Der Femel reift früher und ist von schwächerem Wuchs als die weibliche Pflanze. Beides galt lange Zeit als Indiz für die weibliche Geschlechtlichkeit, worauf die Wortherkunft von der lateinischen Bezeichnung Femella für Weibchen hindeutet.

Das Femeln oder Fimmeln ist das selektive Ernten der reifen Femel. Es verschafft den weiblichen Pflanzen mit ihrer längeren Reifezeit mehr Raum und vereinfacht ihre Ernte bei ohnehin bis dato nicht ausgereifter Erntetechnik. Auch aus diesem Grunde ist die Doppelernte selbst unwirtschaftlich, weshalb bevorzugt einhäusiger Hanf angebaut wird.

Ein weiteres Zuchtziel war die Erzeugung von Sorten, die einen gegen Null gehenden THC-Gehalt aufwiesen. Zur Rauscherzeugung müsste man beim Genuss aktueller Sorten etwa 30 kg Material konsumieren.

Als spezielle Züchtung kann man z.B. die Lowryder nennen.


In der Sortenliste der EU sind nur noch monözische THC-freie Sorten aufgelistet. D.h. <0,2 % THC, vgl. EG-Verordnung Nr. 2860/2000 der Kommission vom 27. Dezember 2000.

Wirtschaftliche Bedeutung

Hanfbauern unterscheiden vier verschiedene Teile der Pflanze mit wirtschaftlicher Bedeutung:

Die Samen

Der Hanfsamen zählt im botanischen Sinne zu den Nussfrüchten. Er ist nicht nur wohlschmeckend, sondern auch gesund. Nachdem das Märchen vom „Rausch durch Samenkonsum“ als solches erkannt war, fanden aus Hanfsamen gepresstes Hanföl sowie die Samen selbst als Nahrungsmittel schnell viele Freunde. Die Samen enthalten alle acht für den menschlichen Körper essentiellen Aminosäuren; hauptsächlich besteht das Hanfeiweiß aus dem Globulin Edestin, welches sehr leicht verdaulich ist. Als Proteinquelle sind Hanfsamen damit für den Menschen hervorragend geeignet. Das Hanföl besitzt ein für den menschlichen Körper ideales Fettsäurespektrum.

Die Samenreste nach der Ölgewinnung - auch Presskuchen genannt - sind keineswegs Abfall; sie finden z. B. in der Viehzucht als hochwertiges Futtermittel Verwendung. Bereits seit langem sind Hanfsamen unverzichtbarer Bestandteil von Vogelfutter, zum Beispiel für Kanarienvögel. Interessanterweise war der Import von sterilisierten Hanfsamen als Vogelfutter von der US-amerikanischen Hanfprohibition ausgenommen.

Normale Hanfsamen liefern im Schnitt gleich viele weibliche wie männliche Pflanzen (Verhältnis 52 % weibl zu 48 % männl).


Sowohl Samen als auch das Hanföl haben keine berauschende Wirkung. Lediglich das aus den Blüten gewonnene Haschischöl ist psychoaktiv und somit nicht für den Verzehr geeignet.

Für den Anbau von Rauschhanf (Cannabis) sind heute „feminisierte“ Samen erhältlich, aus denen sich größtenteils weibliche Pflanzen entwickeln. Der psychoaktive Wirkstoff THC findet sich in besonders hoher Konzentration in unbestäubten weiblichen Blüten, während Männchen nur wenig THC produzieren; eine Trennung der Geschlechter beim Anbau von Rauschhanf ist deshalb wünschenswert und üblich, damit die früher reifenden männlichen Samen die weiblichen Blüten nicht bestäuben können. Die so unbebefruchtete weibliche Pflanze konzentriert ihre ganze Kraft auf die Bildung größerer beharzter (und somit potenterer Blüten), und nicht auf die Produktion guter Samen. Eine so unbefruchtete Pflanze bezeichnet man in der Grower-Szene allgemein als Sinsemilla.

Fasern

Hanffasern werden durch Brechen und Walzen der Stängel vom Rest der Pflanze getrennt. Je nach Länge der so gewonnenen Faser entstehen aus ihnen grobe Fliese oder feinster Zellstoff.

* Hanffasern sind vor allem aufgrund ihrer Langlebigkeit, gesundheitlichen Unbedenklichkeit und Schädlingsresistenz als Dämmstoff, z. B. für den Hausbau, gut geeignet.
* Für die Herstellung von Textilien und Papier eignet sich Hanf hervorragend, da er lange haltbare Fasern hat.
* Eine klassische Anwendung ist das Werg – loses Fasermaterial zum dichten Verschrauben von Rohrgewinden. In der Gebäudetechnik werden – trotz der „moderneren“ Alternative Teflonband – nach wie vor oft Hanffasern verwendet, um durch das Auffüllen der Gewindespalten Wasser- und Heizungsrohre abzudichten, da es sich durch einige Vorteile auszeichnet:
o Bei Flüssigkeitseinwirkung quillt die Faser auf. Die Quellung unterstützt nachträglich die Dichtwirkung.
o Soll das Rohr nahe der Verschraubung geschweißt oder gelötet werden, bietet Hanf eine höhere Temperaturstabilität.
o Hanf widersteht der hohen mechanischen Belastung beim Festschrauben besser als Teflon. Das Zurückschrauben ist nur mit Hanfdichtungen möglich; Teflondichtungen werden dabei zerstört.

Schäben

Die Schäben sind die Reste der verholzten Pflanzenteile, die sich nicht zur Fasergewinnung verwenden lassen. Dennoch sind sie kaum weniger wertvoll. Die 31.000 t Hanfschäben, die 2003 von europäischen Hanfbauern produziert wurden, finden vor allem als Einstreu Verwendung. Pferdebesitzer schätzen besonders die Absorptionsfähigkeit und leichte Kompostierbarkeit der Einstreu aus Hanf.

Blätter

Blatt und Blüte der Hanfpflanze können heute zu „ätherischen Hanfölen“ veredelt werden. Diese Wasserdampfdestillate finden dann als Geschmacksstoffe in Lebensmitteln oder als Geruchsstoff in z. B. Waschmitteln Verwendung.

Nachwachsender Rohstoff

Hanf ist als nachwachsender Rohstoff wegen seiner problemlosen Zucht und vollständigen Nutzbarkeit beliebt. Es werden keinerlei Herbizide benötigt, weil die Pflanzen bereits nach wenigen Tagen den Boden vollständig beschatten, sodass kein Unkraut mehr Licht findet. Außerdem ist er äußerst schädlingsresistent und pflegeleicht. Hanf produziert mehr Biomasse als jede andere heimische Nutzpflanze. In der Wirtschaft ist Hanf äußerst vielseitig einsetzbar und wird wegen seiner hohen Haltbarkeit, Umweltverträglichkeit und niedrigen Energiebilanz geschätzt.

Aus Hanf können über 40.000 verschiedene Produkte aus allen Bereichen des täglichen Lebens hergestellt werden:

1. Werkstoffe
* Baustoffplatten
* Dämmstoffe
* Dichtmaterial (Werg)
* Zuschlagstoff für Hohlraumziegel
* Faser-Verbundwerkstoffe u. a. für automobile Anwendungen
* Pflanzensubstrate
* Einstreu
2. Kosmetika
* Cremes
* Massageöl
* Seife
* Shampoo, Schaumbad
3. Medikamente
* Extrakte
* Kombinationspräparate
* Monopräparate, beispielsweise Dronabinol
* Inhalationspräparate NLe
* Drogen
4. Nahrungsmittel
* Futtermittel
* Öl (Hanföl), Margarine, Fette
* Samen, Wurzel, Hanfriegel
5. Öle, Ölprodukte
* Öl zur Herstellung von Druck- bzw. Ölfarben sowie Kitt- und Spachtelmassen
* Kunststoffe aus Öl
* Tenside
6. Papiere, Vliese, Zellstoffe, natürliche Dämmstoffe
* Bücher sowie deren textile Bindung und Einbände
* Standard- und hochwertige Spezialpapiere und -zellstoffe
* Vliese
7. Stoffe (Kurz- und Langfasern)
* Bekleidung und Textilien
* Bestandteil von Brems- und Kupplungsbelägen
* Fäden, Netze, Seile
* Geo- und Agrartextilien (Abdeckungen gegen Erosion, Trennmatten, Schutz des Ballens von Bäumen beim Transport)
* Planen, Säcke, Segeltücher, Tücher
* Teppiche

Hanf zur Energieerzeugung

Im Zuge der aufgrund von Ölverknappung und Klimaschutz immer attraktiver werdenden Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen könnte Hanf die Zukunft der Mobilität sichern helfen. Ein Hanffeld bringt bis zu 15 Tonnen Trockenmasse pro Hektar, was 3.000 bis 4.000 Litern Kraftstoff entspricht. Sein Potenzial als universeller Rohstoff aber könnte Cannabis auf den 20 Millionen Hektar stillgelegter Landwirtschaftsflächen in der EU ausspielen. Den o.g. Ertrag zugrundegelegt, könnte auf dieser Fläche 60 Mrd. Liter Kraftstoff erzeugt werden. Bei einem Verbrauch von 6 l/100 km und 10000 km zurückgelegter Strecke/Jahr könnten damit 100 Mio. Pkw betrieben werden. Allein in Deutschland könnte auf den stillgelegten Ackerflächen (2004: knapp 1 Mio. Hektar) 3 Mrd. Liter Kraftstoff erzeugt werden. Unter für die Energiegewinnung optimierten Methoden und in Kombination mit Vor- oder Folgefrüchten lässt sich sogar noch ein deutlich höherer Energieertrag erzielen. Kraftstoff aus Hanf könnte in Form von Biodiesel oder BtL-Kraftstoff hergestellt werden.

Hanf ist auch einsetzbar als Regenerative Energiequelle (z. B. Verbrennung der Biomasse zur Stromerzeugung).

Militärische Bedeutung

Im Zweiten Weltkrieg bekam der Hanfanbau in den USA wieder einen wichtigen Stellenwert als strategischer Rohstoff, nachdem die Philippinen als Hauptlieferant durch die Japanische Besatzung ausgefallen war. So brauchte man z. B. Hanf für Ankerseile, Taue, leichte Feuerwehrschläuche, Schnürsenkel für Millionen Paar amerikanischer Soldatenstiefel und Fallschirmstoff. Im Durchschnitt brauchte jedes US-amerikanische Schiff 10.360 Meter Tau. Das Landwirtschaftsministerium drehte den Propagandafilm Hemp for Victory, den jeder Farmer anschauen und quittieren musste.[8]

Hanfwälder wurden durch die Taliban in Afghanistan eingesetzt um ISAF-Truppen aufzuhalten und den eigenen Milizen Schutz zu bieten. Die schnell wachsende Pflanze breitet sich in Gebieten, die mit Bewässerungskanälen durchzogen sind, rapide aus und wächst mehrere Meter hoch. Fahrzeuge können diese Wälder aus dicht gereihten Pflanzen nicht durchdringen und für die Taliban bieten sie ideale Deckung. Selbst mit Wärmebildkameras sind Menschen kaum auszumachen, da die Wälder die Hitze des Tages lange speichern und so die Unterschiede zwischen Körper- und Umgebungswärmestrahlung gering sind. Versuche die Wälder abzubrennen scheiterten, da die Pflanzen sehr viel Wasser speichern und so selbst mit Brandbeschleunigern verstärkte Brände ersticken.[9]

Nutzhanf

siehe Hauptartikel Nutzhanf
Hanffasern sind der Rohstoff für sehr widerstandsfähige Textilien.
Hanffasern sind der Rohstoff für sehr widerstandsfähige Textilien.

Von der Antike bis tief ins 20. Jahrhundert war Hanf ein anerkannter und unentbehrlicher Rohstoff zur Herstellung einer Vielzahl von Gegenständen, darunter Kleidung, Taue und Takelagen für Schiffe und Papier.

In den Jahren nach 1985 kam es zu einem regelrechten Hanf-Boom, der nicht nur dem Rauschhanf, sondern auch den Anwendungen der Nutzpflanze immensen Vortrieb einbrachte. Im Zuge dieser Hanfwelle entstanden in aller Welt Strukturen, die sich für eine Normalisierung der gesetzlichen Lage oder schlicht eine vollständige Legalisierung einsetzten. Das weltweit wachsende Engagement und der damit wachsende politische Druck führten dazu, dass man sich auf europäischer Ebene mit Hanfanbau beschäftigte und heute (2008) 14 Nutzhanf-Sorten in der EU zum Anbau erlaubt sind.